Im vergangenen Jahr hatte das Innenministerium angeordnet, alle wichtigen Gebäude ständig mit der Flagge der Bundesrepublik und des Freistaates zu versehen. Laut der Landtagsabgeordneten Inge Aures (SPD) dürfen nur Flaggen an staatlichen Gebäuden gehisst werden, die ein Staatswappen sind. Der Rechen genieße diesen Status nicht. Vor dem Landtag hissten sie und ihre Kollegen am Donnerstag symbolisch die Frankenflagge, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.
Die drei fränkischen Regierungspräsidenten Thomas Bauer, Paul Beinhofer und Wilhelm Wenning haben empfohlen, über allen staatlichen Gebäude anlässlich des "Tages der Franken" die weiß-blaue bayerische Flagge zu hissen, daneben kann die jeweilige Bezirksflagge wehen. Von dem Frankenrechen, der als Symbol der fränkischen Identität gilt, ist in der Empfehlung allerdings nicht explizit die Rede, da er sich in allen Bezirksflaggen wiederfinde.
Ursprünglich soll der Rechen das Symbol des Herzogtums Franken gewesen sein, allerdings sei darüber nur wenig überliefert, erläutert Walter Bauernfeind vom Nürnberger Stadtarchiv. Der Würzburger Bischof habe den Rechen später für seinen Herrschaftsbereich übernommen, der allerdings nicht ganz Franken umfasste. Erst in der Romantik sei das Symbol wieder von regionalen Gruppen aufgegriffen und für das gesamte Gebiet vereinnahmt worden.
Dass der Rechen nicht auf offiziellen Gebäuden wehen darf, erklärt sich Bauernfeind folgendermaßen: "Es gibt halt kein Bundesland Franken und keine kommunalen Gebäude, die Franken symbolisieren." Die Flaggen der Bundesrepublik und des Freistaates Bayern stünden ja für etwas. Aber wofür stünde der Rechen, fragt er provokant.
Für Joachim Kalb vom Fränkischen Bund ist klar, dass es nur vordergründig um die Flagge geht. Vielmehr wolle die Staatsregierung den Rechen nicht an staatlichen Gebäuden sehen, um die Einigungsbestrebungen der drei fränkischen Bezirke zu unterdrücken, vermutet er.
Der "Tag der Franken" wird seit 2006 jährlich am 2. Juli begangen. Das Datum wurde gewählt, weil am gleichen Tag des Jahres 1500 auf dem Reichstag zu Augsburg das damalige Heilige Römische Reich Deutscher Nation in zunächst sechs und 1512 in zehn Kreise eingeteilt wurde. Darunter war auch der "Fränkische Reichskreis", der bis 1806 Bestand hatte und die Zusammengehörigkeit der Franken erstmals institutionell verwirklichte.
Die diesjährige Festveranstaltung findet am Sonntag (5. Juli) im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim unter dem Motto "Franken in Europa - Europa in Franken" statt. Schmitt-Bussinger und ihre Kollegen erwarten mit Spannung die Rede von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der aus Oberbayern stammt.
(ddp)
