Jeweils sechs Soldaten stemmen die Särge auf ihre Schultern und tragen sie langsam hinaus in die sengende Mittagshitze. Der Prozession folgen mit gesenktem Kopf die Angehörigen der Opfer und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Die Anteilnahme in der thüringischen Kleinstadt ist beträchtlich: Rund 900 Trauergäste geben den Toten am Donnerstag das letzte Geleit.
Vorher, zum Beginn seiner Rede, spannt Jung den Bogen von persönlichem Leid zu nationalen Sicherheitsinteressen: Er spricht von dem schmerzlichen Verlust aufgrund eines hinterhältigen und verbrecherischen Anschlags. Dies führe vor Augen, "welch hohen Preis wir zahlen, damit wir in Deutschland in Frieden und Freiheit leben können". Ein Rückzug aus Afghanistan komme aber nicht in Frage. Damit würde das Land wieder in die Hände der Taliban gegeben werden, die zynisch und rücksichtslos seien, sagt der Minister. Dann verneigt er sich vor den Opfern, die bei Kameraden beliebt und bei Vorgesetzten geschätzt waren.
Alexander S. aus Brandenburg und der aus Thüringen stammende Oleg M. waren erst wenige Tage vor ihrem Tod nach Afghanistan geschickt worden, Martin B. aus Sachsen-Anhalt stand kurz vor der Rückkehr in die Heimat. Die Männer zwischen 21 und 23 Jahren hatten sich vor mehr als einer Woche ein Feuergefecht mit Taliban geliefert. Dabei stürzte ihr Transportpanzer in ein Flussbett. Zwei von ihnen waren sofort tot, ein weiterer starb wenig später.
Die gefallenen Hauptgefreiten gehörten dem Panzergrenadierbataillon 391 in Bad Salzungen an. Einer war kurz vor dem Einsatz vom Fallschirmjägerbataillon Zweibrücken in Rheinland-Pfalz nach Thüringen abkommandiert worden. Der Bürgermeister von Bad Salzungen, Klaus Bohl (Freie Wähler), sagt, er und die Einwohner der Stadt seien tief erschüttert vom Tod der Soldaten.
Der evangelische Militärdekan Helmut Jakobus beklagt, "viel zu früh sei dieser Tod eingetreten, zu schrecklich waren die Begleitumstände". Sein katholischer Kollege Hartmut Gremler spricht von einer "bitteren Wirklichkeit". Die Soldaten strebten nach Frieden und hätten stattdessen "das grausige Gesicht von Gewalt und Terror" erlebt.
In der ersten Reihe lauschen die Angehörigen und Jung den Worten der Prediger. Unter den Trauergästen ist auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU). Auf den Holzemporen stehen die Kameraden in grauen Anzügen. Einige wischen sich Tränen aus den Augen, als die Nationalhymne zum Abschluss des Gottesdienstes ertönt.
Zurück bleiben in der Kirche die übergroßen schwarz-weißen Porträts der Gefallenen. Fröhlich und stolz sehen die Gesichter der Männer aus, die voller Zuversicht zu ihrem Einsatz aufgebrochen waren. Martin B. wäre am Mittwoch 24 Jahre alt geworden.
(ddp)
