"Nach 66 Jahren fast ununterbrochenen Betriebes hebt Malév nicht mehr ab", sagte Unternehmenschef Lóránt Limburger. Malev gehe das Geld aus, weil die Partner der Fluggesellschaft auf eine beschleunigte Bezahlung offener Rechnungen bestünden.
Konkreter Anlass für die Absage aller Flüge war demnach, dass das Bodenpersonal in Tel Aviv sich weigerte, einen Malév-Flug abzufertigen, wenn nicht umgehend "eine große Summe" gezahlt würde, sagte Limburger. "Alle Geschäftspartner baten um Vorauszahlung, die Forderungen stiegen unglaublich schnell. Kein Unternehmen kann Zahlungen Monate im Voraus leisten."
Die Europäische Kommission hatte Ungarn am 9. Januar aufgefordert, von Malév Subventionen zurückzufordern, die der Staat dem Unternehmen zwischen 2007 und 2010 gewährt hatte. Die Gesamtsumme beläuft sich auf 38 Milliarden Forint (130 Millionen Euro) und ist damit so hoch wie der Umsatz der Airline im Jahr 2010.
Seit der Entscheidung war der Druck auf die ohnehin angeschlagene Fluglinie gewachsen, die 2010 einen Verlust von 24,6 Milliarden Forint gemacht hatte. Die Fluggesellschaft werde nun bald "Massenentlassungen" ankündigen, erklärte der Verwalter Fabian Balazs am Freitag. Wie viele der 2600 Jobs bei Malév genau in Gefahr sind, sagte er aber nicht. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban sagte, es könne eine neue nationale Fluglinie entstehen, wenn sich Investoren fänden, die auf eigenes Risiko ein solches Unternehmen aufbauten.
Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, der Behörde seien die "geschäftlichen Schwierigkeiten" von Malév seit einiger Zeit bewusst gewesen. Offenbar sei es dem Unternehmen im umkämpften Wettbewerb der Fluggesellschaften nicht gelungen, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu finden. Zur zurückgeforderten Staatshilfe fügte die Sprecherin hinzu: "Es gibt einfach keine Flexibilität: Wenn es Verstöße gegen EU-Recht im Bereich Staatshilfen gibt, ist die EU verpflichtet, das Recht durchzusetzen."
Nach Angaben von Malév sitzen in Budapest 3500 Fluggäste fest, andernorts waren es demnach 3700. Die Fluggesellschaft erklärte, Kunden sollten Tickets bei anderen Gesellschaften erwerben und die Rechnung dann zur Erstattung bei Malév einreichen. Teilweise sei zudem eine Erstattung durch Reiseagenturen oder Kreditkarten-Unternehmen möglich.
Passagiere insolventer Fluggesellschaften haben prinzipiell keinen Anspruch auf Entschädigung oder Ersatz für ausgefallene Flüge. Es gibt für Airlines keine Insolvenzabsicherung. Bessergestellt sind aber Kunden, deren Flugticket zu einer Pauschalreise gehört. Dann greift die für Reiseveranstalter geltende Ausfallabsicherung: Diese sind verpflichtet, kostenlos alternative Flüge zu organisieren.