"Wenn wir einen starken und stabilen Euro wollen, müssen wir zu weiteren Schritten der Integration in der Euro-Zone bereit sein", schrieb Schäuble in seinem Gastbeitrag. Die Haushaltskrise in Griechenland habe gezeigt, dass die Währungsunion auf "extreme Problemlagen" nicht vorbereitet sei.
Schäuble schlug daher vor: "An Euro-Mitgliedstaaten könnten von einem 'Europäischen Währungsfonds' Notliquiditätshilfen gewährt werden, um die Gefahr von Zahlungsausfällen einzudämmen." Möglich sein sollte dies aber nur in Notfällen, "die eine Gefahr für die Finanzstabilität des gesamten Euro-Raumes darstellen". Deshalb dürften sie nur unter strikten Auflagen zugelassen werden.
"Die politische Entscheidung über Hilfen sollte in der Euro-Gruppe im Einvernehmen mit der Europäischen Zentralbank erfolgen", schlug Schäuble vor. Gleichzeitig sollte für Staaten als letzter Ausweg die Möglichkeit bestehen, aus der Währungsunion auszuscheiden, ohne die EU verlassen zu müssen, "wenn sich ein Euro-Mitgliedstaat letztlich nicht imstande sehen sollte, die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft wiederherzustellen und die öffentlichen Haushalte zu sanieren". Auch müsse die Möglichkeit einer staatlichen Insolvenz "grundsätzlich bestehen bleiben", forderte der Minister.
Schäuble machte sich dafür stark, Nothilfen zwingend an verschärfte Sanktionen zu koppeln: Wenn EU-Staaten gegen die EU-Defizitregeln verstießen, könnten unmittelbar Bußgelder verhängt "und nach Abschluss des Hilfsprogramms und Ablauf einer Karenzzeit gegen das Mitgliedsland ohne jeden Regressanspruch vollstreckt" werden. Damit die Währungsunion voll handlungsfähig bleiben könne, müsse das Stimmrecht eines "nicht kooperativen Mitgliedsstaates in der Euro-Gruppe" ausgesetzt werden. "Ein Staat, der seine Finanzen nicht im Griff hat, darf nicht über die Finanzen anderer Euro-Mitgliedsstaaten mitentscheiden."
