Die Konsequenz: Mit dem Tiida präsentierte man in der Kompaktklasse wieder ein sehr konventionelles Fahrzeug, das im Straßenbild kaum auffällt. Für Deutschland ursprünglich gar nicht vorgesehen, gibt es ihn hierzulande als Almera-Nachfolger seit Anfang dieses Jahres. Und die Zahl derjenigen, denen reichlich Platz bei relativ knappen Abmessungen, viel Komfort und einfache Bedienung wichtiger sind als optische Vorzüge, scheint gar nicht so klein zu sein.
Der Nissan Tiida ist trotz seiner großen an den Note erinnernden Scheinwerferaugen, dem prägnanten Kühlergrill, einer nahezu waagerechten Gürtel- und Dachlinie kein Anwärter auf einen Design-Preis. Er hat jedoch eine ganze Menge innerer Werte. Weit öffnende Türen machen das Einsteigen leicht. Der Innenraum bietet dank des langen Radstandes von 2,60 Metern viel Platz. Nicht nur für Fahrer und Beifahrer, die allerdings auf zu wenig Seitenhalt gebendem Gestühl sitzen müssen, sondern ebenso für die Fond-Passagiere.
Erst wenn man auf der teilbaren Rückbank zu dritt die Fahrt antreten will, wird es bei 1,70 Meter Breite eng. Die Kopffreiheit reicht jedoch auch für Sitzriesen aus und bei wenig Gepäck ist ebenso die Beinfreiheit äußerst üppig, da die Rücksitzbank um insgesamt 24 Zentimeter verschoben werden kann. Andersherum kann der Stauraum zu Lasten der Beinfreiheit auf stattliche 425 Liter erweitert werden.
Das Armaturenbrett und die Mittelkonsole sind klar und ohne Gimmicks gestaltet. Die Instrumente lassen sich - außer bei Gegenlicht - gut ablesen. Die Bedienelemente präsentieren sich nicht nur ergonomisch richtig angeordnet, sondern weitgehend selbsterklärend. Zahlreiche, ausreichend große Ablagen sowie Staufächer runden die zweckmäßige Einrichtung ab. Wohlfühlatmosphäre kommt allerdings nicht auf. Trotz guter Verarbeitung und größtenteils haptisch angenehmer Materialien bleibt der Eindruck einer 08/15-Ausstattung. Objektiv zu bemängeln sind die schlechte Sicht nach schräg hinten durch eine sehr breite C-Säule, die enge Ladeöffnung und die Höhe der geöffneten Heckklappe. Da braucht man kein Riese zu sein, um sich schnell eine Beule zu holen.
Vorwiegend Komfort stand wohl auch im Lastenheft der Fahrwerks-Ingenieure. Eine Aufgabe, die sie gut gelöst haben. So entpuppt sich der Tiida als angenehmer Reisewagen mit gutem Geradeauslauf. Selbst in kurvenreichem Terrain macht er durchaus eine gute Figur, sofern man ihn nicht ausgeprägt sportiv bewegen will. Denn dann sind die Wankbewegungen doch ebenso spürbar wie kurze Holprigkeiten, die fast ungeniert an die Insassen weitergegeben werden.
Ansonsten ist das Fahrwerk narrensicher ausgelegt. Die guten Straßenkontakt vermittelnde Lenkung und die exakt arbeitende Fünfgangschaltung tragen das Ihre zu einem entspannten Fahren bei. Wer es dann einmal übertreibt, den fängt das serienmäßige ESP schnell wieder ein. Doch an die flotte Fahrt denkt man spätestens an der Tankstelle reumütig zurück. Zählt der 1,6-Liter-Motor mit realistischen knapp acht Litern Super bei Normalfahrt ohnehin schon nicht zu den Sparsamsten, erhöht sich der Verbrauch nach solchen Exkursionen erheblich.
Mit ABS, EBD, ESP und Bremsassistent sowie sechs Airbags ist die Sicherheits-Ausstattung für die Klasse erfreulicherweise bereits komplett serienmäßig an Bord und bei den wichtigsten Komfort-Features muss man nicht erst die Zubehör-Liste durchblättern. Ob das in Deutschland angesichts der starken Konkurrenz schon ausreicht, um sich für einen Tiida zu entscheiden, kann nur jeder individuell entscheiden.
(ddp)
